Gespräch über sozialen Wohnungsbau und autarke Energieversorgung in Wenzenbach

Kaum erschwinglicher Wohnraum und Probleme bei der dezentralen Energieversorgung des Neubaugebietes „Roither Berg“ – mit diesen Herausforderungen hat die Gemeinde Wenzenbach zu kämpfen.
Gemeinsam mit meinem Kollegen Jürgen, MdL, bin ich am vergangenen Freitag der Einladung des Wenzenbacher Bürgermeisters Sebastian Koch gefolgt, um mir vor Ort selbst ein Bild zu machen. Bei einem Gespräch im Rathaus informierte uns Koch über die Sorgen der Gemeinde hinsichtlich fehlender Sozialwohnungen. Er erklärte, dass staatlich geförderter Wohnungsbau in Wenzenbach kaum möglich sei, weil unter anderem Grundstücksflächen fehlten und es an Angeboten für Sozialwohnungen vonseiten privater Immobilieninvestoren mangele. Dabei kritisierte Jürgen Mistol den „Wohnungspakt Bayern“ der Bayerischen Staatsregierung. Obwohl dieser bis 2019 den Neubau von jährlich 7.000 öffentlich geförderter Wohnungen in Bayern vorsieht, seien bisher nur etwa 4.000 Wohnungen pro Jahr neu errichtet worden. Bei einem jährlichen Mehrbedarf von ca. 70.000 Wohnungen reiche das hinten und vorne nicht. Angesichts dieser Lücken versprach Jürgen Mistol, sich im Landtag auch weiterhin für mehr finanzielle Mittel für den staatlich geförderten Wohnungsbau in Bayern einzusetzen.

Nach der Diskussion im Rathaus führten der Geschäftsführer des Start-up-Unternehmens „Energieversorgung Wenzenbach GmbH“ (EVW), Jochen Stierstorfer, und der Prokurist Tobias Baierl uns durch das Nahstromwerk 1 im Wenzenbacher Neubaugebiet „Roither Berg“. Anlass der Besichtigung waren die Probleme der EVW bei der Versorgung des Baugebiets mit Strom, Wärme und Telekommunikation. Startete das Nahstromwerk 2016 als „Leuchtturmprojekt“ der Energiewende, das den Roither Berg vollständig dezentral und – als Genossenschaftsmodell angelegt – kostengünstig mit erneuerbaren Energien versorgen sollte, konnte die EVW bereits zum Jahreswechsel 2016/17 die Energieversorgung des Baugebiets nicht mehr sicherstellen. Die finanziellen und technischen Schwierigkeiten führten nicht nur zu stark gestiegenen Energiekosten für die Grundstücksbesitzer, sondern auch zu mehreren Klagen gegen die EVW. Die Fehler der Vergangenheit wolle der Energieversorger in Zukunft vermeiden, versicherte Stierstorfer, der nun sein Hauptaugenmerk auf eine offene, ehrliche und transparente Arbeitsweise lege. Um die Versorgung des Neubaugebietes mit Strom und Wärme wieder lückenlos gewährleisten zu können, kooperiert die EVW seit September mit dem Düsseldorfer Ökostromversorger Naturstrom AG, der die technische Betriebsführung übernommen hat.

Trotz der vergangenen Probleme bestärkten wir die Arbeit des regionalen Start-ups. Jürgen Mistol erklärte: „Wenn man das Ziel der Energiewende vor Ort erreichen möchte, dann braucht man den Mut, derartige Projekte zu wagen. Das Konzept ist gut, an der Umsetzung mangelte es.“ Neben einer reibungslosen Kommunikation zwischen Energieversorger und Grundstücksbesitzern forderten wir in erster Linie Verlässlichkeit. Das wichtigste dabei ist meiner Meinung nach, dass die Strom- und Wärmeversorgung am Roither Berg wieder kostengünstig sichergestellt ist und die Bewohner vor allem in der anstehenden kalten Jahreszeit keine Versorgungslücke fürchten müssen. Trotz aller bisherigen Hindernisse bleiben wir zuversichtlich, dass die autarke Energieversorgung am Roither Berg gelingen wird.

 

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