Gespräch über Demokratie und die bayerische Schulpolitik

Was bedeutet Demokratie? Dieser und anderen Fragen stellen sich derzeit die Schüler*innen der Mittelschule Mühlhausen im Zuge des Forums „Gütesiegel Demokratie“, welches seit 2017 auf Betreiben der bayerischen Landeszentrale für politische Bildung läuft.

Daher freute es mich ganz besonders, ihnen dazu Rede und Antwort zu stehen. Die Fragen gingen von „Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?“, „Warum wurde die Milchquote abgeschafft?“ bis zu „Wie hat sich Ihr Leben seit der Wahl in den Bundestag verändert?“.

Da ich selbst Lehrer war, ist es für mich eine Herzensangelegenheit, gerade unserem Nachwuchs ein Verständnis für Politik und Demokratie nahe zu bringen. In Zeiten, in denen Demokratie in der Welt nicht mehr als Selbstverständlichkeit gilt, müssen wir alle aufstehen und mehr denn je für Freiheit, Menschenrechte und  Meinungsfreiheit kämpfen.

Nach der abwechslungsreichen Diskussion mit den Schüler*innen habe ich mich mit Rektorin Ursula Schroll über die derzeitige Lage an Bayerns Schulen ausgetauscht. Als Vorsitzende des Bezirks Oberpfalz des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes e.V. (BLLV) berichtete sie von der viel zu knappen Personaldecke. Zwar versuche das Kultusministerium, mit sogenannten „Zweitqualifizierungsmaßnahmen“ gegenzulenken (hier können z. B. Lehrkräfte mit abgeschlossenem Staatsexamen für Gymnasien eine Zweitqualifizierung für das Lehramt an Mittelschulen erwerben). Dass dies aber nur ein temporärer Lösungsansatz sein kann, darin sind sich Schroll und ich einig. Wichtiger sei eine Reformierung des gesamten Schulsystems, in dem die Lehrer*innen im Sekundarstufenbereich unabhängig von der Schulart ausgebildet werden und nach der Ausbildung in den verschiedenen Schulen zum Einsatz kämen – je nach Bedarf. Damit würde auch endlich eine Angleichung der Lehrer*innenbezahlung erreicht.

Das derzeitige Schulsystem setzt Eltern, Kinder und Lehrkräfte enorm unter Druck, was ein vernünftiges Lernen unmöglich macht. Daher, so Schroll, sei ein längeres gemeinsames Lernen wichtig: keine Einheitsschule, aber ein individuelles Angebot mit individueller Förderung, getreu dem Motto „nach Kompetenz lernen, nicht nach Noten“.

Ein weiteres schwieriges Projekt sieht Schroll in der Digitalisierung. Zwar stellt der Bund dafür viele Gelder zur Verfügung. Sie sei sich aber nicht sicher, was davon tatsächlich bei den Schulen ankommen werde. Neben Geld sei vor allem ein ganzheitliches Medienkonzept notwendig.

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