China importiert seit Anfang 2018 keinen Plastikmüll mehr.

Wohin mit unserem Plastikmüll?

Viel Wirbel gab es um diese Nachricht nicht, die Konsequenzen sind allerdings enorm: China nimmt seit Anfang des Jahres keinen Plastikmüll aus anderen Ländern mehr auf. Wohin Deutschland seinen Müll künftig entsorgen will, wollte ich in zwei mündlichen Fragen von der Bundesregierung wissen. Immerhin importierte China bisher etwa 9,5% unseres Plastikmülls. Leider brachte die Antwort der Bundesregierung keine neuen Erkenntnisse, denn die Bundesregierung könne hierzu noch keine Zahlen liefern. Aber es laufe alles nach geltendem Recht. SPD und CDU/CSU verschließen also die Augen.

Dabei sollten wir uns ernsthafte Gedanken darüber machen, wie und wohin wir unseren Plastikmüll entsorgen. Obwohl Deutschland mit einer offiziellen Recyclingquote von 67% zum Spitzenreiter in der EU gehört, sind wir beim Müllrecycling längst kein Musterknabe. Denn zur Recyclingquote wird all das hinzugezählt, was in einer Sortieranlage auf ein Band gekippt wird – unabhängig davon, was letztlich mit dem Müll passiert: Ob er nur energetisch verwertet, also verbrannt wird, oder ob er tatsächlich recycelt wird, also aus dem Müll neue Materialien hergestellt werden. Experten gehen deshalb davon aus, dass Deutschland in Wahrheit weitaus weniger seines Plastikmülls recycelt. Das ist ein weiteres Beispiel für die Klima- und Umweltpolitik der Bundesrepublik, die offensichtlich nach dem Motto funktioniert: Aus den Augen, aus dem Sinn.

Da China keinen Plastikmüll mehr importiert, suchen deutsche Entsorger*innen nun nach Alternativen. Infrage kommen hierfür wohl andere asiatische Staaten wie Vietnam – mit vermutlich noch problematischeren Auswirkungen auf die Umwelt. Denn auch dort ist der Verbleib völlig ungewiss. Vorsicht sollte bei EU-Ländern wie Polen, Rumänien oder Bulgarien geboten sein, weil es verboten ist, deutschen Plastikmüll dort zu lagern.

Ich möchte keine Müllexporte ins Ausland. Vielmehr müssen wir Müll, insbesondere Plastikmüll, weitestgehend vermeiden. Hierfür ist es dringend notwendig, einen gesetzlichen Rahmen zu schaffen. Und wenn Plastik unvermeidbar ist, sollten wir die anfallenden Abfälle unter hohen und überprüfbaren Standards möglichst selbst und ordentlich recyceln. Eine beschönigte Recyclingquote bringt der Umwelt gar nichts!

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