v.l.n.r.: Dr. Michael Braun, MdB Stefan Schmidt

Ostbayern als digitaler Vorreiter beim Tourismus

Die mehr als 17 Millionen Übernachtungen im vergangenen Jahr in den gewerblichen Unterkünften in Ostbayern sprechen eine klare Sprache. Tourismus ist für die Wirtschaft in unserer Region ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber.
Bei meinem „Antrittsbesuch“ beim Tourismusverband Ostbayern in Regensburg habe ich mich als Mitglied im Ausschuss für Tourismus des Deutschen Bundestages mit Geschäftsführer Dr. Michael Braun über eine ganze Reihe an Themen ausgetauscht. Sehr zur Freude des Tourismusmanagers, denn die Politik würde dem Tourismus oft nicht die Aufmerksamkeit schenken, die die Branche aufgrund ihrer Bedeutung eigentlich verdient habe, so Dr. Braun. Diese Klage habe ich bei meinen Treffen mit Vertretern aus dem Tourismus schon öfter gehört, dass es von Seiten der Politik an Wertschätzung fehlt – ich sehe das offensichtlich anders als viele Kolleg*innen aus dem Bundestag, denn ich halte das Thema Tourismus für sehr wichtig!
Der Tourismusverband ist in mehrere Urlaubsregionen aufgeteilt, es gibt den Bayerischen Wald, den Oberpfälzer Wald, den Bayerischen Jura und das Bayerische Golf- und Thermenland. Mitglieder sind die Bezirke Oberpfalz und Niederbayern, 16 Landkreise und mehr als 400 Kommunen. Die Finanzierung (im Schnitt sind das rund drei Millionen Euro) erfolgt im Wesentlichen über Mitgliedsbeiträge, Marketingumlagen der Mitglieder, sowie Landes- und EU-Mittel.
Die Lage im ostbayerischen Tourismus gibt keinen Grund zur Klage. Es gibt bereits das siebte Jahr in Folge einen Gästerekord in Ostbayern, allerdings werden die Übernachtungen nicht mehr. Das liegt daran, dass die Menschen nicht mehr so lange bleiben wie früher.
Damit der Tourismus in unserer Region weiter gedeiht, setzt der Verband auf Leuchtturmprojekte wie eine Wander- und Radoffensive oder die Digitalisierung. Unter anderem soll der bekannte Goldsteig-Wanderweg grenzüberschreitend „am grünen Dach Europas“ nach Tschechien führen und Ostbayern soll neuen Radrouten wie einer Mountainbike-Strecke durch den Bayerischen Wald wieder zu einer führenden Raddestination werden.
Begeistert hat mich, wie der Tourismusverband Ostbayern das Thema Digitalisierung angeht. Während Buchungsportale boomen, sind nur 10-15% der Betriebe im Ländlichen Bereich auch online buchbar. Sprich: gerade den oft kleineren Betrieben entgeht viel Geschäft, weil sie online für potentielle Kund*innen nicht zu finden sind. Hier übernimmt der Verband für seine Mitglieder die Arbeit und bindet die Betriebe in sein Vertriebsnetzwerk ein. Und das läuft demnach ganz hervorragend, 50 bis 60 Betriebe kommen derzeit pro Monat dazu, wie Dr. Braun sagte. Auf diesem Weg werden derzeit rund zwei Millionen Euro Umsatz vermittelt – pro Monat, 1.900 Gastgeber sind zurzeit über dieses System online buchbar, davon 75% Klein- und Kleinstbetriebe. Für diesen Ansatz hat der Tourismusverband Ostbayern bereits diverse Preise bekommen und auch andere Regionen fragen inzwischen bei uns in Ostbayern an oder lassen sich gleich von der Oberpfalz aus online vermarkten.
Wer Entwicklungen erkennt, kreativ und offensiv gestaltet, der marschiert vorneweg – leider ist davon in München und Berlin trotz guter Kassenlage viel zu wenig zu sehen!

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