Was der Stammtisch im Wirtshaus mit gleichwertigen Lebensverhältnissen zu tun hat…

 

Wirtshäuser haben sehr viel mit gleichwertigen Lebensverhältnissen zu tun. Nicht umsonst heißt es: „Stirbt die Wirtschaft, stirbt das Dorf“.

Zusammen mit Dr. Thomas Geppert, dem Landesgeschäftsführer beim Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA Bayern), habe ich mich über die Lage der Wirtshäuser in Bayern ausgetauscht. Demnach haben seit der Jahrtausendwende ungefähr 1.500 Wirtshäuser in Bayern den Betrieb eingestellt. Laut DEHOGA gibt es inzwischen in 500 Gemeinden in Bayern kein einziges Wirtshaus mehr.

Klar ist dabei: Das Wirtshaussterben ist ein echtes Problem, weil ohne Wirtshaus nicht nur eine Örtlichkeit zur Versorgung mit Essen und Trinken, sondern auch eine soziale Anlaufstelle weniger für Familienfeiern, Theateraufführungen oder den Stammtisch wegfällt. Beim Thema Wirtshaussterben geht es mir deswegen auch nicht um Wirtshaus-Romantik, sondern um Wirtschafts- und Strukturpolitik. Ein Wirtshaus ist Wirtschaftsfaktor für die Region, schafft Arbeit und Lebensqualität vor Ort. Gefragt sind neue Konzepte und die dafür nötigen rechtlichen Rahmenbedingungen: Warum soll z.B. ein Wirtshaus nicht auch die Funktion eines Dorfladens übernehmen können oder einer Paketstation? Auch mit Hinblick auf die Integration leisten Hotels und Gaststätten einen Beitrag: Von den Geflüchteten in Ausbildung und Arbeit sind elf Prozent in dieser Branche tätig.

Ich halte es für wichtig, dass sich die Politik hier einbringt und konstruktiv an der Problemlösung mitarbeitet. Der DEHOGA hat auch konkrete Erwartungen an die Politik, wie z.B. gleiche Steuern für Essen. Aus Sicht des Verbandes ist es nicht gerecht, wenn der Einzelhandel sein Angebot an verzehrfertigen Lebensmitteln immer mehr ausbaut und damit in Konkurrenz zur klassischen Gastronomie tritt.