Ferkelkastration: Weil Tierwohl wichtiger als Gewinn ist

Jedes Jahr werden in Deutschland ungefähr 20 Millionen männliche Ferkel ohne Betäubung – also bei vollem Bewusstsein – kastriert. Grund für die betäubungslose Kastration ist der sogenannte „Ebergeruch“, d.h. das Fleisch entwickelt beim Erhitzen einen Geruch, der von vielen Menschen als unangenehm empfunden wird. Eigentlich sollte diese unsägliche Praxis ab Januar des kommenden Jahres verboten sein, „dank“ der Bundesregierung soll das jetzt aber auch in den kommenden beiden Jahren so bleiben.
Dabei wurde schon vor fünf (!) Jahren im Tierschutzgesetz festgelegt, dass ab Januar 2019 die Kastration ohne Betäubung verboten ist. Die verschiedenen Lobbygruppen haben es aber geschafft, diese fünf Jahre trotz mehrerer vorhandener Alternativen ohne eine tierschutzgerechte Lösung vergehen zu lassen und jetzt mit der angeblich gefährdeten Existenz der heimischen Schweinehalter zu drohen. Dabei hätte man nur in das Nachbarland Schweiz blicken müssen. Dort ist die betäubungslose Ferkelkastration seit acht Jahren verboten (übrigens ohne flächendeckenden Untergang der Schweizer Schweinehalter). Schweizer Landwirte dürfen mit einem entsprechenden Sachkundenachweis die Ferkel mit Isofluran betäuben und dann mit begleitender Schmerzmittelgabe kastrieren. Alternativ gibt es auch die Wege der Ebermast und der Immunokastration. Und diese Möglichkeiten konnte man in Deutschland in fünf Jahren nicht prüfen und anpassen? Der tatsächliche Grund ist wie so häufig das Geld: Man will die Kosten für das Fleisch niedrig halten. Zynisch gesagt: Fleisch hat in Deutschland schließlich billig zu sein und auch zu bleiben…Leider waren die Landwirtschaftsminister (Hans-Peter Friedrich, Christian Schmidt [beide CSU] und jetzt Julia Klöckner [CDU]) und das zuständige Ministerium in diesen fünf langen Jahren nicht in der Lage, bei Landwirten, Schlachtunternehmen, Einzelhändlern und VerbraucherInnen für Aufklärung und Akzeptanz zu sorgen. Geschweige denn in der Lage, in diesen fünf Jahren auf europäischer Ebene Schritte für eine EU-weite Lösung beim Thema betäubungslose Ferkelkastration in Angriff nehmen.
Ich bin strikt gegen die Verlängerung dieser Frist. Die Verantwortlichen sind trotz klarer Gesetzeslage und bekannter Frist die Forschung nur schleppend angegangen und haben sich vor Eifer nicht gerade überschlagen. Was soll nun in zwei weiteren Jahren außer dem garantierten Tierleid herauskommen? Es ist ein Trauerspiel, dass sich die Bundesregierung vor den Karren der Fleischindustrie spannen lässt und auf Kosten von 40 Millionen männlichen Ferkeln einknickt.
Deswegen wollte ich von der Bundesregierung wissen, was in den kommenden beiden Jahren passieren soll, was nicht auch schon in den vergangenen Jahren möglich gewesen wäre und welche Anstrengungen die Bundesregierung für eine zügige Umsetzung des Verbots der betäubungslosen Ferkelkastration unternehmen möchte.

Der Videomitschnitt zu meiner mündlichen Frage im Bundestag vom 17. Oktober 2018:

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