Das Experiment der Deutschen Post: „Meine Landpost“

v.l.n.r.: Stefan Schmidt, Vice President Deutsche Post, und Stefan Schmidt, MdB der Oberpfälzer Grünen.

Im Rahmen meiner Tour durch Oberfranken habe ich zusammen mit einigen Parteifreunden vom KV Hof einen näheren Blick auf das „Meine Landpost“-Pilotprojekt der Deutschen Post geworfen. Mein Namensvetter, Herrn Stefan Schmidt von der Postzentrale in Bonn, hat mich im Zustellstützpunkt Oberkotzau getroffen, wo ich mir das Landpost-Fahrzeug samt Ausstattung näher ansehen durfte.

Dieses Projekt wurde hauptsächlich deshalb gestartet, um zu testen, ob es generell umsetzbar ist, neben dem klassischen Geschäft mit Briefen und Paketen auch andere Dienstleistungen anzubieten, die im ländlichen Raum in letzter Zeit immer weiter ins Hintertreffen geraten sind: der Handel mit Lebensmitteln und Bargeldauszahlungen.

Per Telefon, App oder Rückrufservice kann ein interessierter Kunde im ausgewählten Gebiet während der Testphase von September bis Ende November bei der Deutschen Post aus einer vorgegebenen Liste alle möglichen Güter des täglichen Gebrauchs bestellen: von der Alufolie bis zum Weizenmehl, von der Zwiebel bis zum Apfelsaft. Die Lieferung erfolgt dann wahlweise noch am selben Tag oder zu einem gewünschten Zeitpunkt. Ab einem Einkauf von 20 EUR ist außerdem eine Bargeldauszahlung bis 200 EUR am Landpost-Mobil möglich. Testweise habe ich mir ein Glas Tomatensoße geleistet – was schon mal reibungslos geklappt hat.

Gerade für Gegenden, in denen inzwischen auch der letzte Tante-Emma-Laden und die letzte Bankfiliale dicht gemacht haben, könnte dieser Service der Post eine echte Alternative sein. Auch für ältere und gehbehinderte Menschen, die nicht oder nicht mehr die Möglichkeit haben, mit dem Auto zum nächsten Supermarkt zu fahren, wäre „Meine Landpost“ sicherlich eine enorme Erleichterung. Das zunehmende Aufkommen von mobilen Dorfläden beweist, dass der Bedarf dafür existiert, und die Deutsche Post hätte auch die Ressourcen und die entsprechende Struktur, um in dieses Geschäft einzusteigen.

Dass die Post keine Angst davor hat, neue Wege zu gehen, hat ja bereits die Entwicklung ihres eigenen E-Lieferwagens, des Streetscooters, gezeigt. Eine ähnliche Marktlücke scheint die Post mit dem Landpost-Projekt gefunden zu haben, und ich hoffe sehr, dass sich daraus neue Vorschläge ergeben, wie die Nahversorgung auf dem Land auch weiterhin sichergestellt werden kann. Gleichwohl ist klar, dass dazu auch der politische Wille da sein muss, denn zum Nulltarif wäre das Serviceangebot kaum tragbar.

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