Zur heute im Kabinett beschlossenen Nationalen Tourismusstrategie erklärt Stefan Schmidt, Sprecher für Tourismuspolitik für Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag:
„Die Nationale Tourismusstrategie ist nichts weiter als ein oberflächliches Sammelsurium aus Zielen, Worthülsen und Maßnahmen, die die Bundesregierung längst angekündigt oder beschlossen hat. Unter dem Finanzierungsvorbehalt verkommen aber selbst die vorgeschlagenen Maßnahmen zum reinen Wünsch-Dir-Was. Wo aber ist die Gesamtstrategie für einen nachhaltigen und zukunftsfähigen Tourismus, für einen Tourismus, der unsere vielfältigen Reiseregionen stark macht, Natur und Umwelt schützt und sich für die Rechte von Reisenden stark macht?
Der beinahe ideologische Fokus auf die kurzfristige Wettbewerbsfähigkeit greift viel zu kurz. Der Schwerpunkt auf mehr Flugverkehr und Kreuzfahrten wird den Herausforderungen des Tourismus in Zeiten der Klimakrise in keiner Weise gerecht. Ein zukunftsfähiger Tourismus braucht gut ausgebaute und günstige Alternativen zum Auto im Inland und Flugzeug im Ausland. Klima- und umweltfreundliche Anreisemöglichkeiten oder neue Ansätze für die Mobilität vor Ort verkommen im Papier allerdings fast schon zur Randnotiz.
Damit steht die schwarz-rote Strategie auch in vollem Gegensatz zu den aktuellen Arbeiten auf europäischer Ebene. Während die EU-Kommission eine Strategie für nachhaltigen Tourismus plant, kümmert sich die Bundesregierung lieber um Partikularinteressen. Unterstützung für nachhaltige Geschäftsmodelle und die Tourismusregionen mit ihren vielen Akteuren gibt es von Schwarz-Rot nicht.
Kaum eine Branche ist so stark auf eine intakte Natur und Umwelt angewiesen wie der Tourismus. Vor dem Hintergrund der Klimakrise nehmen die Maßnahmen für Klimaschutz und Klimafolgenanpassung in der Strategie viel zu wenig Raum ein. Der Bund stiehlt sich hier aus der Verantwortung und wälzt sie auf die Kommunen ab.
Der Verbraucherschutz bleibt ein blinder Fleck in der Strategie. Die Maßnahmen zur Sicherung von Arbeitskräften sind eine reine Mogelpackung und lösen das akute Personalproblem nicht. Das Ende des 8-Stunden-Tages macht die Branche noch unattraktiver für Beschäftigte. Die steuerfreien Überstundenzuschläge gehen an der Lohnrealität in der Tourismusbranche völlig vorbei.
Warme Worte für die Tourismusbranche allein reichen nicht aus. Es braucht eine langfristige Strategie, damit der Tourismusstandort Deutschland auch in Zeiten der Klimaneutralität ab 2045 wettbewerbsfähig bleibt. Diese Perspektive für einen nachhaltigen und zukunftsfähigen Tourismusstandort Deutschland fehlt in der Strategie komplett.“