Die Bundesregierung hat am 28. Januar 2026 einen Vorschlag zur Nationalen Tourismusstrategie beschlossen. Mein Fazit dazu fällt ernüchternd aus: Der Beschluss wirkt wie ein Sammelsurium aus Worthülsen und vagen Zielbeschreibungen.
Der starke Fokus auf eine kurzfristige Wettbewerbsfähigkeit macht den deutschen Tourismus weder nachhaltiger noch wirklich zukunftsfähiger. Eine zentrale Stellschraube, auf die Union und SPD setzen, sind flexiblere Arbeitszeiten für Beschäftigte in der Tourismusbranche. Konkret soll die wöchentliche Höchstarbeitszeit flexibler auf einzelne Wochentage verteilt werden können.
Was das in der Praxis bedeuten kann, zeigt ein Fallbeispiel des DEHOGA: Für eine Hochzeitsfeier beginnen Mitarbeitende um 15 Uhr, das geplante Arbeitszeitende liegt bei 1 Uhr. Wenn die Gäste jedoch bis 4 Uhr feiern, soll es künftig möglich sein, statt der bisher zulässigen Arbeitszeit mehr als zwölf Stunden zu arbeiten.
Damit stellt sich die grundsätzliche Frage, ob die Bundesregierung tatsächlich glaubt, dass das Aufweichen des Achtstundentages und steuerfreie Überstundenzuschläge die Personalprobleme in der Tourismusbranche lösen werden.
Die Antwort der Bundesregierung bleibt vage, denn sie wollte ihre Versprechen weder wiederholen noch konkretisieren. Das überrascht wenig, wenn man die Zahlen betrachtet: Eine Analyse des Deutschen Gewerkschaftsbunds zeigt, dass 72 Prozent der Beschäftigten nicht länger als acht Stunden pro Tag arbeiten wollen. Bei Arbeitszeiten von mehr als zehn Stunden lehnen sogar 98 Prozent dies ab.
Eine weitere mögliche Stellschraube wären bezahlte Überstunden. In der Realität erhalten jedoch nur 1,4 Prozent der Beschäftigten ihre Überstunden überhaupt ausgezahlt.
Für mich zeigt das deutlich: Die vorgeschlagenen Maßnahmen wirken wie eine Luftnummer – und es entsteht der Eindruck, dass nicht einmal Teile der Bundesregierung selbst wirklich von ihrer Wirksamkeit überzeugt sind.
Hier geht es zur Antwort zur Flexibilisierung der Arbeitszeit
Hier geht es zur Antwort für steuerfreie Überstundenzuschläge
