Der Führerschein wird immer teurer: Inzwischen liegt der Richtwert für den Erwerb bei rund 3.400 Euro. Für viele Fahranfängerinnen und Fahranfänger stellt das eine große finanzielle Herausforderung dar. Die Bundesregierung hat deshalb einen Vorschlag erarbeitet, der den Führerschein wieder bezahlbarer machen soll. „Die Vorschläge aus dem Verkehrsministerium wirken willkürlich und fachlich unbegründet“, berichtet der grüne Bundestagsabgeordnete Stefan Schmidt nach einem Gespräch mit den Neumarkter Fahrschulen. „Wenn die Vorschläge so umgesetzt werden, reden wir von einem massiven Eingriff in die Qualität der Führerscheinausbildung und somit auch in die Verkehrssicherheit.“
Auf Einladung der Neumarkter Fahrschulen hat sich der grüne Bundestagsabgeordnete Schmidt über die geplante Führerscheinreform ausgetauscht. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob die vorgeschlagenen Maßnahmen tatsächlich zu niedrigeren Kosten führen – oder ob sie am Ende eher negative Auswirkungen auf Ausbildung und Verkehrssicherheit haben könnten.
Ein Punkt, der im Gespräch angesprochen wurde, ist die geplante stärkere Digitalisierung der Theorieausbildung. Onlineangebote könnten zwar für einige Fahrschüler funktionieren. Gleichzeitig berichtet Fahrlehrer Bastian Dominik bereits heute von hohen Durchfallquoten bei der theoretischen Prüfung. Viele Inhalte müssten individuell erklärt werden – etwas, das standardisierte Onlineformate nur eingeschränkt leisten können. Die anwesenden Fahrlehrer befürchten daher eher steigende Kosten durch zusätzliche Wiederholungsprüfungen.
Auch der Vorschlag, Unterrichtsräume abzuschaffen, sorgt für Skepsis. Während dadurch Mietkosten gespart werden sollen, sind gleichzeitig Fahrsimulatoren vorgesehen. Diese könnten zwar motorische Fähigkeiten trainieren, ersetzen aber nach Einschätzung der Fahrschulen keine realen Verkehrssituationen. „Wenn hinter einem plötzlich ein 40-Tonner steht und hupt, ist das für Fahranfänger eine ganz andere Situation als im Simulator“, erklärt Manfred Schreiner, Kreisvorsitzender des Landesverbands Bayerischer Fahrlehrer.
Besonders kritisch bewerten die Fahrschulen die geplante Reduzierung der verpflichtenden Sonderfahrten – etwa bei Nacht, auf der Autobahn oder außerorts. Gerade in diesen Situationen passierten statistisch besonders viele Unfälle mit Fahranfängern. Eine Kürzung könnte deshalb langfristig auch die Verkehrssicherheit beeinträchtigen.
Fragen wirft zudem die geplante Verkürzung der praktischen Fahrprüfung auf künftig mindestens 25 und maximal 40 Minuten auf. Matthias Schuchna von der Fahrschule Schuchna und Karg bezweifelt, dass in dieser Zeit die Fahrtauglichkeit ausreichend überprüft werden kann.
Auch der grüne Bundestagsabgeordnete Schmidt zeigt Verständnis für die Kritik aus der Praxis. Die Vorschläge aus dem Verkehrsministerium seien bislang nicht ausreichend mit belastbaren Zahlen unterlegt. „Wir wollen den Führerschein bezahlbarer machen – aber nicht auf Kosten der Verkehrssicherheit“, so Schmidt. Er will die Rückmeldungen der Fahrschulen nun mit nach Berlin nehmen und appelliert an Bundesverkehrsminister Schieder, die Reformvorschläge gemeinsam mit der Branche nochmals umfassend zu prüfen.
Foto (von links): Michael Kopp, Reiner Angermann, Stefan Schmidt, Manfred Schreiner, Bastian Dominik, Matthias Schuchna
